In einer Zeit, in der der weibliche Körper reibungslos zu funktionieren hat (keine Menstruationsbeschwerden, keine ungewollte Schwangerschaft, aber Kinderwunsch bitte auf „Knopfdruck“) und Mütter es egal wie falsch machen (entweder karrieregeile Rabenmutter oder rückständige Hausfrau), in der von Mädchen und Frauen erwartet wird, immer nett und hilfsbereit zu sein, aber als weibliche Führungskraft bloß nicht zu nett, aber auch nicht zu bissig, habe ich irgendwann begonnen, mich zu fragen, was Weiblichkeit eigentlich bedeutet.
Weiblichkeit in der Arbeitswelt
Das mit den Geschlechterrollen ist ja immer so eine Sache, wenn man gesellschaftlich hineingeboren wurde. Abgesehen von gewissen Selbstverteidigungs-Skills, weil man als (junge) Frau nachts allein auf der Straße ja aufpassen müsse, erinnere ich mich vor allem an drei Aussagen, die mit meinem Geschlecht zu tun hatten: „Mach dich bloß nie von einem Mann abhängig“ (Keine Sorge!), „Mädchen sind ja nicht so gut in Mathe …“ (Ach echt, Mathelehrer? Da kenne ich einige Gegenbeispiele ...) und „Als junge Frau wirst du im Trainingskontext besonders kritisch betrachtet, das musst du wissen.“ Diese Aussage von einem Coach und Organisationsberater, als ich noch im Studium war und ein Seminar bei ihm besuchte, hatte leider keinen Unterton. Dann hätte ich auf ihn wütend sein können. Recht behielt er und in Unterhaltungen stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige (junge) Frau war, die sich extra beweisen musste in der Business- und Arbeitswelt. Wie tief solche Einstellungen sitzen können, wurde mehr als einmal in Mittagspausen thematisiert, als weibliche Führungskräfte im HR-Bereich reflektierten, dass sie Frauen, die sich in Bewerbungssituationen „männlich“ verhielten, also z.B. selbstbewusst ein durchaus realistisches Gehalt nannten, oft irgendwie unsympathisch fanden. Wie schlimm das sei … Weiblichkeit in der Arbeitswelt ist definitiv ein Thema für sich.
Sexualität und Glaubenssätze
Auf meiner ganz persönlichen Reise besuchte ich Kurse zum Thema Sexualität und Weiblichkeit und las viele Bücher, die mich zum Teil tief berührten. Dabei beschlich mich oft das Gefühl, dass mich zwar Vieles auch persönlich betrifft, aber die kollektiven Erfahrungen nicht zu vernachlässigen sind. Rund um das Thema Sexualität lassen sich so einige Glaubenssätze bei Frauen (und Männern) finden. In unserer Gesellschaft fehlt es an Modellen. Überspitzt ausgedrückt: Sex verschwand entweder in einer dunklen Schublade, die von der Kirche fest verschlossen wurde, oder fand allzu öffentlich statt und sollte laufen wie in Pornos. Ich musste mich also eines Tages selbst aufklären, dass Tantra nicht gleich Gruppen-Fummeln sei. Außerdem wundert es mich leider auch nicht, dass Teile des weiblichen Körpers kürzlich „wiederentdeckt“ wurden, weil sie irgendwann wohl mal als nutzlos aus Lehrbüchern gestrichen wurden.
Hexe oder weise Frau?
Mittlerweile kann ich von mir behaupten, dass ich schon viele Bücher aus der „spirituellen Welt“ gelesen und viele Videos gesehen habe. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass sie meist von alten weisen (oft auch weißen) Männern sind. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich absolut nichts gegen sie und Männer allgemein habe. Ich habe von vielen wirklich sehr viel gelernt, wichtige Impulse bekommen und bei einigen auch direkt gelernt. Trotzdem habe ich mich gefragt: Wo sind eigentlich die alten weisen Frauen in der Öffentlichkeit? (Es gibt sie, aber vergleichsweise wenige.) Ob man jetzt an Reinkarnation glaubt oder nicht ... Neulich erzählte mir noch jemand, er habe in einer Dokumentation erfahren, dass allein in Europa etwa 60.000 (hauptsächlich) Frauen als Hexen verbrannt worden seien. Was hat das wohl mit den Töchtern dieser Frauen gemacht?! Und mit uns, wenn das unsere Ahninnen sind? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass nicht nur Wissen rund um die Kräuterkunde lieber verheimlicht wurde, sondern erst recht sämtliche spirituelle Fähigkeiten und ihre weibliche Kraft. Damit wären im Bereich des erlernten Verhaltens, aber wer weiß, ob das Ganze nicht sogar noch tiefer „sitzt“, wenn Traumata bzw. ihre Folgen vererbt werden können.
Ein besonderes Buch für die weibliche Kraft
Vor etwas mehr als einem Jahr fand mich das Buch „Wild Soul Woman“ in einer spirituellen Buchhandlung. Das Buch zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Wenn ich die Bezeichnung „magisch“ nicht so kitschig finden würde, würde ich sagen: Es war magisch. Ich fand alles an diesem Buch interessant, aber mein Kopf erinnerte mich freundlich daran, dass ich mir vorgenommen hatte, keine weiteren Bücher zu kaufen, weil der Stapel der ungelesenen Bücher noch eine lange Zeit reichen würde. Ich war mit einer Freundin unterwegs und hatte viel Zeit, weil meine Freundin sich nicht entscheiden konnte, wofür sie einen Gutschein nutzen wollte. In dieser Zeit lief ich immer wieder um das Buch herum, bis sich mein Bauch schließlich durchsetzen konnte. Schlimmstenfalls würde es gut aussehen auf dem Stapel mit den anderen Büchern, was soll’s?! Ich war fast ein bisschen aufgeregt, als ich abends mit dem Lesen begann, und wieder beschlich mich das Gefühl, dass dieses Buch etwas Besonderes war und mir tieferes Wissen offenbaren könnte. Nach einiger Zeit kam das Leben dazwischen und ich nahm mir abends nicht mehr die Zeit, in Ruhe weiterzulesen.
Wie eine Botschaft meinen Weg der Weiblichkeit lenkte
Es vergingen einige Wochen ohne Lektüre. Ich verbrachte meine Abende eher mit Medialität (siehe letzter Blog-Artikel). Meine Ausbildung neigte sich langsam dem Ende zu, als mich meine mir bis dahin völlig fremde Übungspartnerin fragte, ob ich lesen würde. Das Buch, das ich gerade las, würde noch eine große Bedeutung für mich bekommen. Ich war einigermaßen baff, weil mir die Richtung plötzlich klar wurde. Ich hatte zum einen schon darüber nachgedacht, was ich als nächstes lernen wollte, und zum anderen – vielleicht noch halbbewusst – das Gefühl, dass mir in puncto Ganzheitlichkeit noch etwas fehlte: Weiblichkeit und der Körper. Anders ausgedrückt: Ich hatte mich in den letzten Jahren vor allem mit dem „Himmel“ befasst, aber weniger mit der Erde.
Ich begann also zu googeln und landete schließlich bei einer Ausbildung, die sich „Feminine Wisdom“ nannte. Der Titel gefiel mir schon mal und so nahm alles seinen Lauf. Endlich würde ich Körper, Geist und Seele wirklich gebührend berücksichtigen können. Denn es gibt Phasen, in denen muss der Kopf vielleicht erst etwas verstehen, bevor man den Körper mitnehmen kann, und es gibt Phasen, da „weiß“ der Körper einfach mehr als der Kopf und gezielte Körperarbeit kann den Zugang zur inneren Weisheit erleichtern. Abgesehen von durchaus nützlichem Zyklus- und Hormonwissen und Wissen rund um Schwangerschaft und Geburt, eignet sich ein traumasensibler und körperorientierter Ansatz natürlich für alle Menschen.
Was bedeutet Weiblichkeit im spirituellen Sinne?
Da natürlich auch ich mich nicht von kulturellen und gesellschaftlichen Normen und Erwartungen freimachen kann und persönlich etwas gegen stereotype „männliche“ und „weibliche“ Eigenschaften wie stark und weich oder aktiv und passiv habe, finde ich die Frage nach wie vor nicht leicht zu beantworten. Vielleicht passt Yin und Yang als Bild ganz gut. Jeder Mensch hat beide Seiten in sich und kann mit der eigenen „weiblichen“ Seite in Kontakt kommen. Intuition und Verbindung zu „Mutter Erde“ gehören für mich ganz stark zu Weiblichkeit, also ein guter Zugang zur ganz eigenen inneren Weisheit. Auch wenn Hingabe und Mütterlichkeit (im Sinne von Fürsorge) oft genannt werden, kann all das sehr kraftvoll sein – entgegen der altertümlichen Vorstellung des „schwachen“ Geschlechts.
Wie komme ich in meine weibliche Kraft?
Wie in fast allen Blog-Artikeln, kann ich auch hier nur wiederholen, wie wichtig die Verbindung zu „Mutter Erde“ ist. Auch das Element Wasser ist weiblich. Vielleicht möchtest du einen langen Spaziergang in der Natur machen und dich ans Wasser setzen?
Rituale in und mit der Natur oder auch zuhause können helfen, ganz bei sich anzukommen, z.B. durch Räuchern, einen Tee (Wie wäre es mit Frauenmantel?) oder eine Kerze.
Oder du magst dich „fließend“ bewegen und tanzen? Ich habe neulich noch irgendwo gelesen, dass die „weibliche Form der Meditation“ eher in Bewegung stattfindet oder eben im Tanz und stilles Sitzen eine „männliche Form der Mediation“ wäre. Vielleicht ist es einen Versuch wert.
Wenn du magst, kann du dich mal mit dem Mond und seinen Phasen beschäftigen: Wie geht es dir bei Vollmond und wie bei Neumond? Übrigens heißt es auf Spanisch und Französisch zum Beispiel die Mond (la luna und la lune) und der Sonne (el sol und le soleil).
Eng damit verbunden ist dein eigener Zyklus, wenn du noch menstruierst: Was weißt du eigentlich schon über deinen eigenen Zyklus? Was brauchst du in welcher Zyklusphase?
Wen auch das Thema Sexualität interessiert und wer manchmal Schwierigkeiten hat, aus dem Kopf in den Körper zu kommen, kann sich mal mit Tantra oder Slow Sex beschäftigen.
Vielleicht möchtest du den Kopf noch mehr einbeziehen: Welche Frau(en) kennst du, die gelebte Weiblichkeit verkörpern? Was möchtest du dir vielleicht von ihnen abschauen? Wann fühlst du dich voll und ganz in deiner Kraft und wie fühlt sich das körperlich an?
Wenn du dich mit deiner eigenen Weiblichkeit und weiblichen Kraft beschäftigst, kann es hilfreich sein, in dich hineinzuspüren, ob dir Rückzug guttut oder die Verbindung zu anderen Frauen. Beides kann sehr heilsam sein.
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Mit diesem Blogartikel sind wir chronologisch betrachtet im Hier und Jetzt angekommen. Und jetzt? Vielleicht gibt es ein Special zu Weihnachten. Ich lasse mich selbst überraschen, was geschrieben werden möchte.
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Quellen (zuletzt abgerufen am 31.10.2025):
https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/rete-ovarii-wiederentdeckt-100.html
https://www.uniaktuell.unibe.ch/2023/traumata/index_ger.html
https://www.deutschlandfunk.de/transgenerationales-trauma-epigenetik-100.html
https://www.quarks.de/allgemein/trauma-vererben-kinder-epigenetik/
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