Es wird früh dunkel, ist kalt und nass und plötzlich steckt man mitten zwischen Weihnachten und Wahnsinn – konfrontiert mit Erwartungen, übervollen Terminkalendern, möglicherweise auch Einsamkeit und dem Wunsch nach Ruhe, Frieden und Besinnlichkeit.  

Es folgt Silvester und es wird erwartet, eine persönliche Bilanz gezogen und den Plan fürs nächste Jahr in der Tasche zu haben. Aber was, wenn man im Jahr nicht das geschafft hat, was man sich vorgenommen hatte?! Ich persönlich empfand den Jahreswechseln oft als eher ätzend, mein Highlight war schlicht, dass die Tage wieder länger wurden.



Ein kleiner Impuls für die mentale Gesundheit an Weihnachten

Der Fokus dieses Artikels liegt auf den dunklen Tagen, die zur Reflexion einladen, weniger auf dem Umgang mit Erwartungen seitens der Familie, der Kunst der Abgrenzung und dem eigenen Harmoniebedürfnis. Aber falls du gerade daran verzweifelst, sämtliche mühsam aufgebauten Gewohnheiten wegen Zeitmangels über Bord werfen zu müssen … 

Es ist okay. Wir sind alle nur Menschen. Oft braucht es keinen Rückzug ins Yoga- oder Meditationszentrum, sondern nur ein paar zusätzliche Minuten im Badezimmer für eine 3-minütige Toiletten-Atem-Meditation – oder, bei akuter Wut, um die Wand „wegzuschieben“. 

Was tun, wenn du dich an Weihnachten einsam fühlst?

Vor einigen Jahren beschloss ich, Heiligabend allein zu verbringen. Ich war einfach nur kaputt und müde und wollte meine Ruhe haben. Ich erlaubte mir also, auf meine Bedürfnisse zu hören, kochte mir etwas Leckeres, telefonierte beim Essen kurz mit einem Freund, der ebenfalls allein „feierte“, war lang spazieren, legte mich mit einer Packung „Selbstliebe“ in die Badewanne, zündete mir abends ein paar Kerzen und ging früh ins Bett. Am nächsten Tag war ich ausgeruht, erholt und bereit für neue Abenteuer. 

Und ja, auch ich kenne es, in bestimmten Gruppen zu sein und sich gleichzeitig sehr einsam zu fühlen. Das kann bei manchen Menschen auch die eigene Familie betreffen. Vielleicht tut es gut, sich mal zu fragen, mit wem man Weihnachten wirklich gerne verbringen möchte. Vielleicht geht es Freundinnen und Freunden ähnlich. Vielleicht können „unangenehme“ Besuche zeitlich etwas verkürzt werden? 

Wenn man Weihnachten allein verbringen möchte oder muss: Wie kann man sich die Zeit schön gestalten? Was ist wichtig? Wo wird Weihnachten vielleicht nicht gefeiert? Welche lokalen Angebote gibt es möglicherweise? Wo findet vielleicht ein gemeinsames Weihnachtsessen statt? Das können „offizielle“ Angebote von gemeinnützigen Organisationen sein oder von lokalen Gruppen, die darüber in Social Media informieren oder in Städten auch über nebenan.de.  

Und vielleicht ist es auch einfach in Ordnung, die Gefühle, die da sind, zu fühlen – Traurigkeit, Wut, Frust, … Die Wahrscheinlichkeit, dass man an Heiligabend beim Weinen gestört wird, ist nicht sehr hoch. An dieser Stelle ist es mir allerdings sehr wichtig, zu betonen, dass es Grenzen gibt. Wenn Einsamkeit oder Traurigkeit unerträglich werden, hier auch für Feiertage eine Nummer: https://www.telefonseelsorge.de/ 



Einstieg in die Welt der Rituale 

Falls du der Meinung bist, Rituale seien komisch, Chichi oder Zeitverschwendung … Mein Einstieg in die Welt der Rituale verlief sehr unspirituell. In Ecuador wurden Innenräume regelmäßig mit Palo Santo geräuchert. Viele Menschen taten das allerdings eher nebenbei, ohne bewusste Intention. Meine Jahresrückblicke – wenn ich überhaupt welche machte – waren vor allem vom Kopf her gesteuert und glichen mehr einer Bilanzierung. Obwohl der allgemeine „Geist der Weihnacht“ für einen Hauch Spiritualität im eher rationalen Deutschland hätte sorgen können, fühlte ich mich in der Regel weder besinnlich noch besonders spirituell. Am ehesten noch an Silvester beim Verbrennen von Zettelchen, um beispielsweise Negatives aus dem Jahr loszulassen. Dabei überkam mich meist ein gewisser Frieden, während mein Kopf das Ganze als Spielerei abtat, die ja immerhin nicht schadete.  

Rituale aus aller Welt – kulturelle Vielfalt leben

Im Rahmen meiner Weiterbildungen in den letzten Jahren bekamen verschiedenste Rituale wieder eine größere Bedeutung und ich durfte feststellen, wie gut sie mir tun. Ein spannendes privates Forschungsfeld für die nächste Zeit. Ich erinnerte mich, dass ich mich schon als Jugendliche für die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner Nord- und Südamerikas und ihre schamanischen Praktiken und Bräuche interessierte. Als ich in Ecuador lebte (mehr dazu in meinem ersten Blog-Artikel) und mit anderen Ausländern an einer wenig touristischen Dschungeltour teilnahm, war es mir dann allerdings nicht so ganz geheuer mit dem Stammesführer am Feuer tanzen und singen zu müssen.  

Je nach Herkunft oder Kulturkreis oder auch Herkunft der jeweiligen Ahninnen und Ahnen mag es sicherlich spannend sein, sich generell mit den verschiedenen Bräuchen und Ritualen – nicht nur zum Jahreswechsel – auseinanderzusetzen und ein bisschen zu recherchieren.  



Jahresrückblick ohne Druck

So schön und „anders“ ich es mittlerweile finde, mit Musik, Kerzen, Räuchern, Meditation und in einer gemütlichen Umgebung oder sogar in der Natur ein kleines Ritual zu machen … Wenn Zeit, Nerven oder die richtigen Schwingungen fehlen, reichen oft schon fünf Minuten pro Tag, um innezuhalten und eine kleine Selbstreflexion oder Innenschau zu ermöglichen.

Reflexionsfragen und Überlegen können natürlich auch immer dann genutzt werden, wenn bestimmte Lebensphasen enden, zum Beispiel vor dem Wechsel in einen neuen Job, wenn eine Beziehung endet, ein Umzug an einen anderen Ort bevorsteht oder vor dem eigenen Geburtstag, also dem Wechsel in ein neues Lebensjahr. 

Dunkelnächte, Sperrnächte, Raunächte – Zeit für Innenschau 

Man soll ja nicht von sich auf andere schließen, aber ich habe mich lange Zeit nicht wirklich mit den Raunächten beschäftigt und erst recht nicht mit Sperr- oder Dunkelnächten. 

Die zwölf Nächte vor der Wintersonnenwende (meistens am 21. Dezember) werden mancherorts auch Sperrnächte (weil die Bauern ihre Geräte „sperrten“) oder Dunkelnächte (weil es die „dunkelsten“ Tage im Jahr waren) genannt. Je nach Überlieferung beginnen die Raunächte entweder mit der Wintersonnenwende oder an Weihnachten und dauern ebenfalls zwölf Tage. Diese Nächte gelten als besondere Schwellenzeit – zwischen den Jahren, zwischen den Welten. Viele verbinden damit Rituale der Reinigung, der Visionssuche und den Glauben, dass die Schleier zur geistigen Welt in dieser Zeit besonders durchlässig sind. Was sagt deine innere Stimme? Was sagen Kopf, Herz und Bauch? Was möchte deine Seele? 

Vielleicht hätte es mir den Druck genommen, wenn ich früher gewusst hätte, dass ich mir einfach jeden Abend (jede Nacht) eine oder mehrere Fragen hätte stellen können, die sich nur auf jeweils einen Monat beziehen – statt sich an Silvester zwischen Tür und Angel mit zwölf vergangenen und zwölf zukünftigen Monaten beschäftigen zu müssen. Möglicherweise wäre meine Jahresreflexion so etwas gründlicher geworden. Wenn man sich die Frage abends vor dem Schlafen notiert und morgens nach dem Aufstehen „einfach“ darauf achtet, welche Gedanken und Impulse man bekommt, ist das die Variante für die ganz Spirituellen oder die ganz Faulen.



Reflexionsfragen für deinen persönlichen Jahresrückblick 

Vielleicht magst du dir ein, zwei, drei Fragen raussuchen, die dir besonders sinnvoll erscheinen und sie jeden Abend während der Dunkelnächte wirken lassen, oder aber du suchst dir jeden Abend die Frage(n) aus, die sich für den jeweiligen Monat stimmig anfühlt.  

  • Welche Erfahrungen habe ich gesammelt? 
  • Was habe ich aus meinen Erfahrungen (für die Zukunft) gelernt? 
  • Wofür bin ich dankbar? 
  • Was hat sich und wie habe ich mich innerlich verändert? 
  • Was lief richtig gut und was hat mich innerlich wachsen lassen, auch wenn es möglicherweise schwer war? 
  • Was hat mir in diesem Jahr besonders Kraft gegeben?
  • Was hat mich bewegt? 
  • Was fühlt sich mittlerweile nicht mehr stimmig an? 
  • An was halte ich möglicherweise noch fest, was mich aber nicht mehr weiterbringt? 
  • Was darf jetzt heilen? 

Vielleicht ist jetzt das Jahr und die Zeit, in den dunklen Tagen auf die alten Wunden zu schauen und dir zu erlauben, dass sie ein bisschen weiter heilen dürfen.  

Reflexionsfragen für die Raunächte 2025/26

Für viele sind gerade die Raunächte in der Übergangszeit zwischen den Jahren eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen und neue Rituale zum Jahreswechsel zu entdecken. In den Raunächten kann man sich ganz praktisch jede Nacht einen Monat für das kommende Jahr vornehmen. Vielleicht magst du dir während der Raunächte erlauben, zu träumen und Visionen zu entwickeln und nicht gleich zu bewerten. Ich weiß, das ist nicht einfach – vor allem für Kopfmenschen.  

  • Was wünsche ich mir für das nächste Jahr? 
  • Was ist mir besonders wichtig, auch wenn es vielleicht nicht leicht wird? 
  • Wofür möchte ich mir bewusst Raum schaffen? 
  • Was möchte ich vielleicht mal ausprobieren? 
  • Was möchte oder muss ich ändern / loslassen? 
  • Welche noch so verrückten Ideen oder Visionen habe ich? 
  • Womit möchte ich die Welt vielleicht ein bisschen besser machen? 
  • Worauf möchte oder muss ich besonders achten? 
  • Welches Herzensanliegen möchte ich (endlich) angehen? 

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Quellen (zuletzt abgerufen am 29.11.2025):

https://de.wikipedia.org/wiki/Raunacht



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