Im letzten Blog-Artikel teilte ich meine Beobachtungen aus der Praxis zu Ängsten, Unruhe und Erschöpfung, die oft mehr sind als bloße Symptome. Heute geht es um unsere Ressourcen, die wir alle haben, aber manchmal vergessen. Und da sich das astrologische Jahr nun dem Ende zuneigt, tut ein Blick auf das, was uns stärkt, sicherlich besonders gut, um in den Frühling zu starten.
Warum Ressourcen deine psychische Stabilität stärken
Im hektischen Alltag geht es oft unter, mal wieder etwas Schönes zu unternehmen oder ganz allgemein etwas zu tun, das uns gut tut. Manchmal haben wir auch einen gewissen nicht-klinischen Leidensdruck oder starten in einen tiefergehenden (Erfahrungs-)Prozess, der das ein oder andere Thema aus dem Keller hervorholen kann. Es ist wichtig, dass wir unsere Ressourcen kennen, um gut für uns sorgen zu können und uns gerade auch in schwierigen Zeiten stabil zu halten, oder auch in Zeiten, in denen es an der Ressource Zeit mangelt. In der systemischen Arbeit und Psychotherapie spricht man von Ressourcenorientierung, also davon, den Blick bewusst auf das zu lenken, was bereits da ist.
Was sind meine Ressourcen? Definition und Beispiele.
Ressourcen sind alles, was uns stärkt und gut tut, also unsere ganz persönlichen Kraftquellen. Es kann äußere Ressourcen geben, wie zum Beispiel Zeit in der Natur, ein Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund, genügend Geld für bestimmte Aktivitäten, aber auch innere Ressourcen wie Fähigkeiten – etwa schwierige Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten –, Einstellungen wie „das Glas ist bei mir immer halbvoll“ oder Humor.
Innere Ressourcen – was sie mit Spiritualität zu tun haben
Auch das Thema Ressourcen lässt sich nüchtern psychologisch betrachten oder als Teil eines größeren, ganzheitlichen Verständnisses von Körper, Geist und Seele. Gedanken dazu, was uns stärkt, können wir uns natürlich ganz menschlich und „sachlich“ selbst machen. Oder wir befragen Menschen, die uns in irgendeiner Form nahe stehen, wie Familie, Freunde, Arbeitskolleginnen und -kollegen.
Antworten auf die Fragen, wer man ist und was man mitbringt, können aber beispielsweise auch das Geburtshoroskop und der Seelenplan liefern. In einer Gesellschaft, in der der Fokus oftmals eher auf den Schwächen als auf den Stärken liegt, kann es sehr heilsam sein, einen ganzheitlicheren Blick auf sich und sein Leben zu richten. Vor allem, weil uns das, was wir gut können, oftmals weniger bewusst ist als unsere Schwächen – eben weil wir es ja so gut können. Auf menschlicher und auf Seelenebene macht es Sinn, dass wir das, was wir mitbringen oder gelernt haben in Form von Erfahrungen oder Wissen, auch nutzen – für uns und andere.
Wie finde ich meine Stärken heraus?
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, wie sehr Menschen ihre eigenen Kraftquellen unterschätzen, bis sie sie bewusst sammeln. Besonders, wenn man mit einem niedrigen oder schwankenden Selbstwert zu tun hat und sich fragt, was man eigentlich gut kann, ist es hilfreich, sein Umfeld zu befragen. Vielleicht nicht gleich überfallsartig, sondern mit Vorankündigung, damit sich das Gegenüber in Ruhe Gedanken machen kann. Was kann ich besonders gut? Was sind meine Stärken? Was bewundern andere vielleicht an mir? Was kann ich möglicherweise besser als andere? An dieser Stelle ein Gruß aus der Leistungsgesellschaft. Diese Fragen machen sicherlich nicht in allen Kulturen Sinn.
Äußere Ressourcen – was dir im Alltag Kraft gibt
Kommen wir zu den äußeren Ressourcen. Hier darf klein und groß gedacht werden: Was tut mir gut? Was mache ich gerne? Was gibt mir Energie? Was bereitet mir Freude? Wobei vergesse ich völlig die Zeit? Was hat mir schon als Kind Freude bereitet? Was hat meine innere Stimme dazu zu sagen?
Meistens kommt eine ordentliche Sammlung zusammen und vor allem finden „kleine“ Ressourcen ihren Platz auf der Liste, die sich auch zwischendurch mal im Alltag umsetzen lassen. Denn vermutlich würden die meisten Menschen von sich behaupten, dass sie gerne in den Urlaub fahren (würden), aber hier spielen mehrere äußere Faktoren eine Rolle wie Geld und Zeit. Aber auch der Zugang zu den „großen“ Dingen und Träumen oder zur eigenen bucket list kann hilfreich sein, um sich genau diese Aspekte mal wieder in Erinnerung zu rufen. (Siehe Südamerika oder Klavier bei mir.)
Ich erlebe immer wieder, welche positiven Auswirkungen das Aufleben der eigenen Ressourcen hat. Eine Klientin entdeckte nach 45 Jahren das Zeichnen wieder für sich und fand darin Momente der Ruhe. Ein anderer Klient erkannte in seiner Sammlung einen Zusammenhang zu seinem Bedürfnis nach Ruhe, die in seinem Leben fehlte. (Mehr dazu im nächsten Blog-Artikel.)
Wie du deine Ressourcen in der Praxis nutzen kannst
Je nach Länge der Ressourcenliste kann sich das Anfertigen einer Mindmap lohnen. Vielleicht magst du dir die Frage stellen, was dir wann gut tut oder was quasi jederzeit umsetzbar ist oder was besondere Umstände erfordert (mehr Zeit, Geld, Sonnenschein, Verfügbarkeit eines anderen Menschen). Dann kannst du je nach Situation einen schnellen Blick auf deine Liste / Mindmap werfen und gezielt auswählen, was dir gerade gut tut. Sozusagen eine Blume aus dem Blumenstrauß an Möglichkeiten.
Dein Ressourcen-Glas – eine einfache Methode für den Alltag
Es kann auch nett sein, sich all seine äußeren Ressourcen und Ideen, also alles, was Aktivitäten sind, auf kleine Zettel zu schreiben und diese beispielsweise in einem Glas mit Deckel oder einer kleinen Box aufzubewahren. In schwierigen oder müden oder frustrierten oder langweiligen Momenten einfach einen Zettel ziehen und das tun, was drauf steht. Wer unter „keine Lust“ leidet, kann für sich die Regel einführen, dass maximal drei Zettel gezogen werden dürfen. Ein Punkt muss dann angegangen werden.
Wie integriere ich meine Ressourcen konkret in den Alltag?
Auch ich vergesse manchmal, was mich eigentlich stärkt, wenn es um mich herum zu „laut“ ist. Wer sehr, sehr wenig Zeit oder Geld für seine Ressourcen hat, kann sich erst einmal Gedanken machen, welche minikleine Ressource sich realistischerweise in den Alltag integrieren lässt – und wenn es die 10-minütige Meditation für den eigenen Selbstwert ist oder einmal laut zweieinhalb Minuten zum Lieblingslied tanzen. Dann einen guten Zeitpunkt überlegen: täglich, einmal pro Woche oder wann immer es realistisch ist und in die Umsetzung gehen. Es mag helfen, einer nahestehenden Person davon zu erzählen. Dann ist der gute Vorsatz ein Stück weit raus in der Welt und man macht sich eher dran.
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Nächster Artikel aus der Reihe "Zwischen Wissenschaft und Spiritualität": Was brauche ich eigentlich wirklich? – Bedürfnisse wahrnehmen und verstehen


