Vor einem Jahr habe ich mein Blog-Projekt „Zwischen Wissenschaft und Spiritualität“ gestartet und damit auch eine ganz persönliche Selbstoffenbarungsreise begonnen.

Im letzten Jahr habe ich also viel reflektiert, beobachtet und mich dabei immer wieder gefragt: „Was brauche ich eigentlich?“ (Antwort: Möglicherweise eine kurze Blog-Pause, um mich anderen Projekten zu widmen und die Freude am Schreiben nicht zu verlieren.)

Die Frage passt auch ganz gut in den Frühling: Nach dem inneren Frühjahrsputz darf Neues entstehen. In diesem Artikel geht es also um unsere eigenen Bedürfnisse und darum, sie wieder bewusster wahrzunehmen.

   

   

Warum wir Bedürfnisse im Alltag oft übergehen

Vermutlich haben die allermeisten von uns einen Alltag, der leider nicht, wie in sozialen Medien manchmal dargestellt, mit einer langen Yogaeinheit oder Meditation auf einer Sonnenterrasse gefolgt von einem äußerst gesunden Frühstück mit Tee beginnt und so oder so ähnlich weitergeht. Ja, ich glaube durchaus daran, dass wir uns die Welt ein bisschen machen, widewide wie sie uns gefällt. (Mehr zum Thema Visionen & Ziele gibt es hier.) Gleichzeitig müssen wir alle Rechnungen bezahlen und uns möglicherweise um Familienmitglieder kümmern. Da kann das ein oder andere Bedürfnis, die Frage, was ich eigentlich wirklich brauche, oder gar die Frage nach dem Sinn im Leben schon mal aus dem Fokus rücken. Was dann bleibt, sind oftmals diffuse, unangenehme Gefühle und manchmal auch die Frage, was eigentlich nicht mit einem stimmt. 

Warum sind Bedürfnisse so wichtig für unser Wohlbefinden?

Vor einiger Zeit durfte ich jemanden begleiten, der im ersten Gespräch von depressiven Symptomen und Gedanken berichtete, weswegen wir offen und ehrlich über die Grenzen meiner Begleitung sprechen mussten. Um die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken und sinnvoll zu nutzen, einigten wir uns darauf, stabilisierend zu arbeiten und kamen schnell von Ressourcen auf Bedürfnisse und – in diesem Fall auch auf das Thema Neurodivergenz.

Das Beschäftigen mit den eigenen Bedürfnissen ist sicherlich kein alleiniges Allheilmittel bei Depressionen und wir Menschen sind verschieden. Bitte bei entsprechenden Symptomen mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten sprechen.

In diesem Fall hat die Erkenntnis, sich möglicherweise im autistischen Spektrum zu bewegen und (deswegen) ein erhöhtes Bedürfnis nach Ruhe zu haben, in Kombination mit den erarbeiteten (Mini-)Maßnahmen ihren Teil dazu beigetragen, dass es der Person deutlich besser ging und dieser Zustand über mehrere Monate hinweg stabil blieb. Durch die Begeisterung für die eigenen Bedürfnisse konnten in diesem Fall auch Kinder und Mitarbeitende indirekt oder direkt von diesem Wissen profitieren.

 

 

Warum haben wir Probleme mit unseren Bedürfnissen?

Ich erlebe in der Praxis ganz grob unterteilt zwei Gruppen von Menschen: Diejenigen, die sich aus verschiedenen Gründen noch nicht wirklich mit Bedürfnissen beschäftigt haben. In Kindergarten und Schule lernt man „so etwas“ leider nicht (es mag heutzutage vereinzelt Ausnahmen geben) und je nach Generation waren Gefühle oder Bedürfnisse auch in der Familie kein Thema oder sogar Tabu – vor allem bei Männern. Viele Menschen haben also schon als Kinder gelernt, dass Bedürfnisse nicht unbedingt erfüllt oder überhaupt von anderen wahrgenommen werden. Wie soll man also lernen, sie selbst wahr- und ernstzunehmen?

Dann gibt es die Gruppe von Menschen, die sich (schon länger) mit Persönlichkeitsentwicklung – teilweise auch mit spiritueller Entwicklung – beschäftigen, die sehr reflektiert sind und ihre Bedürfnisse recht klar haben. Wenn sie diese dann aber aus verschiedenen Gründen nicht erfüllen (können), führt das zu Frust, weil es vielleicht in ihrer Entwicklung nicht mehr vorwärts geht, oder sie fühlen sich völlig blockiert oder fremdbestimmt. Der Sinn im Leben lässt sich nicht ganz so leicht finden, wenn die innere Stimme uns noch auf die Erfüllung unserer Basis-Bedürfnisse hinweisen muss. 

Haben wir alle die gleichen Bedürfnisse?

In Bezug auf Bedürfnisse finde ich den Ansatz aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg recht hilfreich. Hier wird davon ausgegangen, dass wir als Menschen im Grunde alle die gleichen Bedürfnisse haben, nicht nur auf die biologischen Grundbedürfnisse bezogen. Nur kann es hier eben unterschiedliche Ausprägungen geben oder sie können in unterschiedlichen Momenten oder Lebensphasen mehr oder weniger „aktiv“ sein. Ein Beispiel: Wer beruflich selbstständig ist, hat möglicherweise ein höher ausgeprägtes Bedürfnis nach Eigenständigkeit oder Autonomie als jemand, der oder die angestellt ist und vielleicht ein höheres Bedürfnis nach Sicherheit hat. Trotzdem haben auch Selbstständige ganz bestimmt ein Sicherheitsbedürfnis und Angestellte das Bedürfnis, eigenständig arbeiten zu können. Oder das Bedürfnis nach (finanzieller) Sicherheit wird stärker, wenn man ein Kind bekommen hat, als es in Zeiten in einer WG war.

 

 

Bedürfnisse im Arbeitskontext – was Menschen wirklich brauchen

Als ich noch in der Personal- und Führungskräfteentwicklung tätig war und Trainings für Führungskräfte aus ganz unterschiedlichen Bereichen durchgeführt habe, sorgte die „simple“ Unterscheidung zwischen praktischen und persönlichen Bedürfnissen oft schon für einen kleinen Aha-Moment. (Das ist ein bisschen wie Sach- vs. Beziehungsebene.) Wir alle haben praktische Bedürfnisse, zum Beispiel Ziele zu erreichen oder Aufgaben zu erledigen, und persönliche Bedürfnisse, etwa Wertschätzung zu erfahren oder einbezogen zu werden.

Auch hier gibt es Unterschiede, wie wir ticken, und welches Bedürfnis vielleicht bei welcher Person besonders hoch ausgeprägt ist. Bedürfnissen im Arbeitskontext gerecht zu werden, ist eine wichtige und nicht zu unterschätzende Führungsaufgabe. 

Spiritualität als Bedürfnis und warum Sinn und Verbundenheit wichtig sind

Ja, auch Spiritualität kann ein Bedürfnis sein. Ich merke immer sehr deutlich, wie sich eine Unzufriedenheit breitmacht, wenn mein Leben gerade zu laut und voll ist und wenig Zeit und Ruhe bleiben, um mich zu verbinden. In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass es hierbei über die beiden Bedürfnisse von Sinn und Verbundenheit hinausgeht.

Wie genau das Bedürfnis von Spiritualität erfüllt werden kann, ist sicherlich individuell. Meinen persönlichen Weg habe ich in den ersten acht Blog-Artikeln beschrieben und jede Menge Reflexionsfragen ergänzt. Wichtige Aspekte sind Meditation (ob still sitzend oder in Bewegung) und Natur. Auch Beten oder der Besuch eines Gotteshauses oder Tempels kann Verbindung schaffen – vor allem für diejenigen, die sich als religiös bezeichnen.

 

 

Bedürfnisse erkennen – wie finde ich heraus, was ich wirklich brauche?

Sich liebevoll zu beobachten und wahrzunehmen, was ist und was sich zeigt – oder was die innere Stimme einem zeigt –, ist wie so oft ein guter erster Schritt, um die eigenen Bedürfnisse überhaupt zu erkennen. Das, was wir fühlen, kann ebenfalls ein Hinweis auf ein unerfülltes Bedürfnis sein. Fühlen wir uns alleine oder einsam, ist vermutlich unser Bedürfnis nach Nähe oder Austausch oder Verbundenheit nicht erfüllt. Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, um in Ruhe zu reflektieren: Was ganz genau steckt hinter einem Gefühl oder einem unzufriedenen Gedanken? Brauche ich körperliche Nähe, wünsche ich mir einen Austausch oder Inspirationen von einer mir nahe stehenden Person? Vermisse ich ein Gefühl von Verbundenheit, wie es beispielsweise in einem Verein oder einer Glaubensgemeinschaft entstehen kann?

Wer Inspiration braucht oder sich wünscht: Es gibt unzählige lose Listen und Sammlungen sowie vorstrukturierte Modelle von bestimmten Bedürfnisgruppen im Internet.

Bedürfnisse im Alltag umsetzen – kleine Schritte mit großer Wirkung

Um alltagstauglich mit Bedürfnissen zu arbeiten oder für diejenigen, die sich noch nicht großartig mit dem Thema beschäftigt haben, empfehle ich sehr gerne das frei verfügbare Arbeitsblatt von EIN GUTER PLAN „Pegelstand der Bedürfnisse“. Das darf natürlich beliebig ergänzt oder auch auf die Top 10 der ganz individuellen Bedürfnisse gekürzt werden. Hauptsache, es funktioniert im Alltag! Sich damit zu beschäftigen, was eigentlich Ist- und Soll-Zustand ist, kann viel in Bewegung setzen. Wenn der Überblick steht, macht es Sinn, sich ein paar Punkte zu überlegen, wie vielleicht wenigstens ein paar Tropfen mehr in das Glas gefüllt werden können. Auch hier gilt: Es muss im Alltag funktionieren. Wenn das Schlaf-Glas von Eltern mit kleinen Kindern leer ist, kann daran möglicherweise vorübergehend nicht viel geändert werden. (Das kann natürlich immer noch mal kritisch überprüft werden.) Dann lohnt es sich, den Fokus auf das oder die Gläser zu lenken, deren Füllstand man aktiv positiv beeinflussen kann.

Ganz allgemein kannst du dich auch immer fragen: Was brauche ich gerade wirklich – abgesehen von dem, was ich denke, tun oder brauchen zu müssen? Welches Bedürfnis meldet sich bei mir in letzter Zeit immer wieder? Wo übergehe ich meine eigenen Bedürfnisse – bewusst oder unbewusst? Was wäre ein erster kleiner Schritt, um mir selbst mehr gerecht zu werden? 

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Quellen (zuletzt abgerufen am 31.03.2026):

https://einguterplan.de/beduerfnisse/