Wer meinen Blog bislang verfolgt hat, weiß, dass es hier lange um meinen ganz persönlichen Weg zwischen Wissenschaft und Spiritualität ging. In diesem Artikel teile ich nun Beobachtungen aus der Praxis – über Ängste, Unruhe und Erschöpfung, die oft mehr sind als bloße Symptome.
Ängste, Unruhe und Erschöpfung als häufige Symptome
In den letzten Monaten begegneten mir sehr viele Menschen mit Ängsten, teilweise sogar mit Panikattacken, oder mit starker innerer Unruhe oder tiefer Müdigkeit und Erschöpfung, die nicht immer durch äußere Umstände erklärbar waren. Klar, manchmal ist uns bewusst, woher eine Angst kommt, oder wir wissen, dass wir innerlich unruhig sind, weil wir uns zu wenig bewegt oder irgendetwas gegessen haben, das uns nicht gut tut und jetzt im wahrsten Sinne des Wortes für innere Unruhe sorgt. Wenn die Ursache unklar ist, beginnt allerdings oft eine (lange) Suche. Denn die innere Stimme meldet sich eher leise und oftmals ist ein ganzheitlicher Blick für Körper, Geist und Seele wichtig.
Wie entstehen Ängste?
Natürlich kann es sein, dass auf körperlicher Ebene etwas so aus dem Lot geraten ist, dass Ängste, Unruhe und Erschöpfung entstehen, weswegen ich meine Klientinnen und Klienten immer frage, ob sie ihre aktuellen Blutwerte kennen. Ähnlich wie beim Geschlecht des ungeborenen Kindes (mehr dazu in diesem Blog-Artikel) „wusste“ ich bei manchen Menschen, die mir teilweise nur am Bildschirm gegenüber saßen, interessanterweise, welche Mineral- und Nährstoffe ihnen fehlten.
Hinter einer Angst kann viel stecken: bestimmte (traumatische) Erlebnisse, emotionales Durcheinander, nicht erfüllte Bedürfnisse oder eben auch eine verschüttete innere Stimme, die versucht, auf etwas aufmerksam zu machen und sich jetzt eben sehr „laut“ über ein oder mehrere Symptome meldet.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass bei starken Symptomen ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten hilfreich sein kann, um zu klären, ob eventuell eine Psychotherapie nötig ist.
Was tun gegen akute Angst und Unruhe?
Vielen Menschen helfen Atemtechniken, zum Beispiel die 4-7-8-Technik (4 Sekunden durch die Nase einatmen, 7 Sekunden Luft anhalten, 8 Sekunden durch den Mund ausatmen). Generell beruhigt es das Nervensystem, wenn man länger aus- als einatmet.
Wer mit seinem Kopf damit beschäftigt ist, den eigenen Körper ängstlich zu scannen oder anderweitig negative Gedanken hat, dem kann es helfen, eben diesen Kopf mit anderen Dingen zu beschäftigen und sehr detailliert Dinge in der Umgebung zu beschreiben. Für den Stamm der Zimmerpfanze braucht es nämlich ein paar Worte. Dabei ruhig alle Sinne mit einbeziehen: Was siehst du, was fühlst du mit deinen Händen, was hörst du, was riechst du, was schmeckst du? Wenn man nichts schmeckt, kann man sich auch einfach etwas vorstellen, zum Beispiel eine Zitrone. Dabei merkt man meist sehr schnell, ob es funktioniert hat, wenn sich mehr Speichel im Mund bildet.
Wie gehe ich grundsätzlich mit Angst um?
Erst einmal, auch wenn es sich in den jeweiligen Momenten oder Lebensphasen schrecklich anfühlt, ist es hilfreich, die Situation (oder die Angst selbst) irgendwie zu akzeptieren. Scheinbar geht sie ja nicht von alleine weg, nur weil wir sie nicht haben wollen. Wir müssen sie ja nicht gleich lieben, aber es macht Sinn, dass der Mensch (als Säugetier) Angst empfinden kann. Angst ist durchaus nützlich und überlebensnotwendig. Vor allem in der Verhaltenstherapie wird mit dem Teufelskreis der Angst gearbeitet. Dabei steht die Überlegung im Vordergrund, an welcher Stelle und wie man aus diesem Teufelskreis aussteigen kann.
Abgesehen davon kann es helfen, der Angst, der Unruhe, der Erschöpfung mal zuzuhören: Was möchte sie uns sagen? Worauf möchte sie hinweisen? Was haben wir möglicherweise lange ignoriert, weil es irgendwann mal nicht angebracht war? Was braucht gerade eigentlich meine Aufmerksamkeit?
Ängste als Hinweis verstehen und nicht als Feind
Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, dass die Angst „weggeht“. Was sich über die Zeit zunächst oft entwickelt – ohne es zu erzwingen – ist Dankbarkeit für das Symptom oder die Symptome, weil sie zwar störend oder auch schlimm waren, aber einen Prozess der Erkenntnis in Gang gesetzt haben. In den Aha-Momenten kommen durchaus schon mal Tränen und nach dem „jetzt verstehe ich endlich!“ wird es mit den Ängsten und der Unruhe oft deutlich besser. Viele beschreiben dann, dass sich der ganze Körper wieder freier oder leichter anfühlt oder die ständige Müdigkeit verschwunden und dafür wieder mehr Lebensenergie da ist.
Gerade bei sehr hartnäckigen, völlig unerklärlichen oder „fremd wirkenden“ Ängsten kann ein Blick über die persönliche Geschichte hinaus interessant sein. Denn ja, es kam schon vor, dass Ängste im „Feld“ der Ahninnen und Ahnen, die gar nicht mal die eigenen waren, aufgeploppt sind und bearbeitet werden durften. Damit meine ich weniger die Übernahme von Ängsten der eigenen Eltern, weil man es als Kind so „gelernt“ hat, sondern Ängste, die schon viele Generationen zurückliegen können. Ein kleiner Exkurs zum Thema Hexen findet sich im Blog-Artikel „Was Weiblichkeit mit innerer Weisheit zu tun hat“.
Was findet man, wenn man der Angst auf den Grund geht?
Jetzt bin ich keine alte, weise Psychotherapeutin, sondern nur eine mittelalte, halbwegs weise Psychologin, aber was meine Klientinnen und Klienten fast immer finden, sind Hinweise auf Grenzen, die sie selbst nicht setzen oder die in jungen Jahren missachtet wurden, auf innere oder äußere Konflikte, die nicht bewusst oder nicht ausgesprochen waren, auf unerfüllte Wünsche und Träume oder darauf, dass sie gerade in mehreren Bereichen auf dem für sie falschen Weg sind. Vielleicht ist da etwas sogar so sehr im Umbruch, dass es nicht mehr (ohne Begleitung) geht. Denn Übergangsphasen haben ihre eigene Dynamik, die selbst Menschen, die sich gut kennen und viel reflektieren, verunsichern können.
Wahrscheinlich könnte man es so zusammenfassen, dass Menschen ihre (innere) Stimme wieder finden, ihren inneren Kompass, Zugang zu ihrer Intuition und möglicherweise sogar inneren Frieden. Das geht nicht immer direkt mit schnellen Lösungen oder Antworten einher, aber meistens mit Orientierung, einer gewissen Klarheit und vor allem mit Vertrauen in sich selbst.
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Quellen (zuletzt abgerufen am 31.01.2026):
https://www.psychonlinetherapie.de/news/von-der-angst-zur-angststorung/
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